Geschichte
Berliner Standorte der Urania
Die Urania in der Invalidenstraße (1889-1905)
Die am 3. März 1888 gegründete Berliner Urania hatte mit zu diesem Zeitpunkt auch ein erstes eigenes Gebäude, das auf einem städtischen Grundstück im Landesausstellungspark in Moabit, an der Invalidenstraße stand. Der Grund und Boden wurde vom Preußischen Unterrichtsministerium zur Verfügung gestellt. In diesem Gebäude hatte der Mitbegründer und erste Direktor der Urania Max Wilhelm Meyer, unterstützt vom renommierten Astronomen Prof. Wilhelm Förster zugleich auch seine Idee von einem „Wissenschaftlichen Theater“ realisiert. Dabei griff Meyer auf Theatertechniken zurück, die er zunächst in der Wiener Gartenbau-Ausstellung erprobt hatte und die von dem namhaften Theaterarchitekten Lautenschläger entwickelt wurden.
Mit gemalten und konstruierten Bühnendekorationen wurden wissenschaftliche Sachverhalte für ein großes Publikum dargestellt. Es ist davon die Rede, dass in den Vortragsaal an einem Wochenende bis zu 1.000 Besucher strömten, die sowohl in Vormittagsveranstaltungen als auch nachmittags und abends gezählt wurden. Der Zuspruch zu den Aufführungen (Themen: „Das Leben in der Urzeit“ oder „Bilder aus der Sternenwelt“) war so groß, dass diese Form der Wissenschaftsverbreitung in der ganzen Welt Aufsehen erregte. Neben Vortragssälen waren auch Experimentiersäle und eine Kuppel für astronomische Beobachtungen eingerichtet worden, in der eigens für die Urania ein Beobachtungsinstrument der „Bambergrefraktor“ aufgestellt war. Lesesäle und eine dazugehörige Bibliothek ergänzten das Angebot.
Die Urania in der Taubenstraße (1905-1928)
Bereits um die nahe Jahrhundertwende war das Gebäude für den Besucheransturm zu klein geworden und auch für viele Besucher aus anderen Berliner Industriebezirken zu weit außerhalb gelegen. Ein Grundstück in der Innenstadt, in der Taubenstraße sollte Abhilfe schaffen: Hier fand die Berliner Urania ab 1905 ihre Heimat. Die Platzkapazität wurde verdoppelt, und aufkommende neue Medien, Diaprojektoren („Laterna Magica“) später Dreifachprojektoren für auditive Farbbildvorführungen und dann Filmprojektoren, fanden hier eine geeignete Aufstellung und verdrängten die „szenischen Vorführungen“ – das wissenschaftliche Theater. Unter anderem auch durch das „Wissenschaftliche Theater" in finanzielle Schwierigkeiten geraten, meldete die Berliner Urania 1928 Konkurs an und musste das Gebäude in der Taubenstraße aufgeben. Damit auch die Vielfalt der Veranstaltungen, Ausstellungen und Experimentiersäle. Die spärlichen Mittel, die die Stadt Berlin zur Verfügung stellte, konnten den Verfall der einst so glanzvollen Einrichtung nicht mehr aufhalten. Die Urania hatte den Strukturwandel in der medialen Welt nicht aufgefangen.
Die Urania zwischen 1928 und 1945
Nach 1928 bestand die Urania nur noch als ein eingetragener Verein mit der Bezeichnung „Institut für wissenschaftliche Volksbildung“. In dieser Organisationsform nutzte der Urania-Verein verschiedene repräsentative und gut erreichbare Räume in der Berliner Innenstadt. Dazu gehörten das „Haus der Technik“ in der Oranienburger Straße (Eingang Chausseestraße). Zeitweise war die Urania auch Gast im „Langenbeck-Virchow-Haus" in der Berliner Luisenstraße 58-59. Die Geschäftsstelle der Urania hatte ihren Sitz in der Leipziger Straße 19. Eintrittskarten konnte man in allen Geschäftsstellen der Firma Wertheim erwerben. Bis zum April 1945 gastierte der Urania-Verein in der Keithstraße 5, dem damaligen Sitz der „Lessing-Hochschule“.
Die Urania nach 1945
Nach 1945 fanden sich Ausstattungsteile der Urania über die Stadt verteilt. Der „Bamberg-Refraktor“ aus dem alten Urania-Gebäude in der Invalidenstraße fand Aufstellung in der Wilhelm-Förster-Sternwarte, ein Teil des Buchbestandes der Bibliothek hat sich in der Treptower Archenhold-Sternwarte angefunden. 1947, zwei Jahre nach Kriegsende, gab es eine Untersuchung, um das alte Gebäude der Berliner Urania in der Invalidenstraße mit der Sternwarte wieder aufzubauen. 1953 wurde die Urania als eingetragener Verein, der „Deutschen Kultur-Gemeinschaft URANIA“ in Räumlichkeiten der Technischen Universität Berlin in der Hardenbergstraße neu begründet. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Bildungsangebot durch Lesungen berühmter Literaten wie Heinrich Böll, Max Frisch und Günter Grass erweitert. 1961 erfolgte die Grundsteinlegung am heutigen Urania-Standort An der Urania 17 / Kleiststraße 13-14. Der bereits vorhandene Altbau auf dem Grundstück, der auf eine bewegte Geschichte als Jüdisches Logenhaus und spätere Reichsfilmakademie zurückblickt, wurde durch einen Neubauteil mit dem großen Humboldt-Saal, weitläufigen Foyers und einer Cafeteria zum großzügigen Veranstaltungszentrum ausgebaut.




