Der Schlüssel würde noch passen. Moskauer Erinnerungen
Podiumsgespräch zur Buchpremiere
Die kurzen Jahre der Perestroika: Irina Scherbakowa im Gespräch mit Shila Behjat und dem Außenpolitischen Korrespondenten der ZEIT Michael Thumann.
Irina Scherbakowa, Shila Behjat und Michael Thumann
Di, 09.12.2025 | 19:30 bis 21:00 Uhr
Irina Scherbakowa, Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial (Friedensnobelpreis 2022), spricht zur Premiere ihres Buches „Der Schlüssel würde noch passen. Moskauer Erinnerungen“ (Droemer) mit der Journalistin Shila Behjat und dem Außenpolitischen Korrespondenten der ZEIT Michael Thumann über Russlands Weg in die Diktatur.
Seit 2022 lebt die Historikerin und Publizistin im Exil in Tel Aviv und Deutschland. Ausgehend von der Moskauer Wohnung, die sie und ihr Mann zurücklassen mussten, erzählt Scherbakowa von der Zeit nach der Perestroika und dem politischen Aufbruch der frühen 1990er Jahre – von ungewohnter Freiheit und deren Zerbrechlichkeit. Sie beschreibt das scheinbar unaufhaltsame Abgleiten Russlands in die Diktatur, ihren jahrzehntelangen Kampf gegen Staatsterror und für die Aufarbeitung des Stalinismus, und was es bedeutet, wenn demokratische Hoffnungen systematisch zerschlagen werden.
Irina Scherbakowa, geboren 1949 in Moskau, ist Historikerin und Publizistin. Vor der Perestrojka arbeitete sie als Redakteurin und Übersetzerin deutscher Literatur. Seit Anfang der 1980er Jahre führte sie Gespräche mit GULAG-Überlebenden und leitete ab Gründung von Memorial (1989) die Bildungsarbeit der russischen Menschenrechts-Organisation, vor allem den Geschichtswettbewerb. Forschungsaufenthalte führten sie nach Berlin, Wien, Salzburg und Jena. 2021 liquidierte das Putin-Regime die NGO, 2022 erhielt Memorial gemeinsam mit dem belarussischen Menschenrechtsaktivisten Ales Bjaljazki und der ukrainischen Organisation Center for Civil Liberties den Friedensnobelpreis. Im selben Jahr verließ Irina Scherbakowa ihr Heimatland und lebt heute in Berlin und Tel Aviv. Sie ist Vorstandvorsitzende der in Berlin gegründeten Exilorganisation Zukunft Memorial, gehört dem Kuratorium der Gedenkstätte Buchenwald an und ist Ehrenmitglied des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin.

Shila Behjat, Journalistin und Publizistin, wurde in Karlsruhe geboren und wuchs im Allgäu auf. Nach einem Jura-Studium in Hamburg und Paris war sie Großbritannien-Korrespondentin für Axel Springer und berichtete 2010 für das Frauenportal goFeminin von der UN-Frauenrechtskommission. Bis 2019 war sie Chefredakteurin des ARTE Magazins. Seit 2021 fungiert Shila Behjat bei ARTE als Commissioning Editor (Kulturredakteurin). Sie ist Mitgründerin des Berliner Verlags BESHU Books, der sich die Förderung von Talenten und die Einbeziehung vielfältiger Stimmen zum Ziel gesetzt hat.

Michael Thumann studierte Geschichte, Politik und Slawistik an der Freien Universität Berlin, an der Columbia University in New York, an der Leningrader Staatsuniversität und am Puschkin-Institut in Moskau. Er ist Außenpolitischer Korrespondent der Wochenzeitung DIE ZEIT mit Sitz in Moskau und Berlin und schreibt über Russland, Osteuropa und internationale Politik. Seit 2021 leitet er zum dritten Mal das Moskauer Büro der ZEIT. Michael Thumann ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt bei C.H.Beck erschienen ist seine Reisereportage „Eisiges Schweigen flussabwärts. Eine Reise von Moskau nach Berlin“, in der er die Ängste vor Russlands Revanchismus und Kriegslust schildert und den Gründen für das prekäre deutsch-russische Verhältnis in Geschichte und Gegenwart nachspürt.

Eintritt: 8 €, ermäßigt: 5 €, Mitglieder: 3 €