Michael Wolf
Michael Wolf

Michael Wolf

Zum überraschenden Tod des weltbekannten Fotografen

Vollkommen unerwartet ist der renommierte deutschstämmige Fotograf Michael Wolf vergangene Woche an seinem Wohnort Hongkong verstorben. Wir sind tief betroffen und in Gedanken bei seinen Angehörigen. Weltbekannt wurde Michael Wolf durch seine einzigartigen dokumentarischen und künstlerischen Arbeiten und Installationen. Am 14. Juni 2019 eröffnen wir seine Werkschau „Life in Cities“, die für zwei Monate in der Urania Berlin zu sehen sein wird.

Aktuell befand sich Michael Wolf mitten in der Vorbereitung für die kommende Station seiner Werkschau „Life in Cities“ in der Urania Berlin. Die eigens an die Räumlichkeiten der Urania angepasste Ausstellung ist eine Produktion des Museums für Fotografie in Den Haag. Nach Station in den Deichtorhallen in Hamburg wird sie vom 15. Juni bis 14. August 2019 täglich von 12:00 bis 20:00 Uhr in der Urania Berlin zu sehen sein. Die Schau mit Arbeiten aus allen Schaffensperioden Wolfs umfasst rund 200 Fotografien. Der Berliner Auftritt wird mit Mitteln der LOTTO-Stiftung Berlin gefördert.

 

Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa des Landes Berlin: „Michael Wolf war ein ganz Großer seiner Zunft und sein plötzlicher Tod macht betroffen. In die Vorfreude auf die – mit Sicherheit – hervorragende Ausstellung seiner mich oft auch verstörenden Bilder mischen sich nun Wehmut und Trauer. Wolfs Blick für Licht und Schatten unserer modernen Welt wird fehlen.“

Urania-Direktor Ulrich Weigand: „Wir sind tief bestürzt über den plötzlichen Tod Michael Wolfs. Im Austausch mit ihm persönlich und mit seinem niederländischen Galeristen Wouter van Leeuwen haben wir in den vergangenen Wochen voller Enthusiasmus an der großartigen Werkschau gearbeitet. Es ist uns eine Ehre, das Lebenswerk dieses außerordentlichen Künstlers in unserem Haus der Öffentlichkeit vorzustellen.“

 

Michael Wolfs Arbeiten reflektieren die Lebensbedingungen in Großstädten und greifen Themen wie Überbevölkerung, Massenkonsum, Privatsphäre und Voyeurismus auf. Großformatige abstrakte Hochhaus-Ansichten, beklemmende Porträts von Menschen in überfüllten U-Bahnen wie auch skurrile Alltagsdetails gehören zu den visuellen Eigenheiten des modernen Stadtlebens, das der zweimalige World Press Photo Award-Gewinner in seinen Bildern festhält. 

Der 1954 in München geborene Michael Wolf wuchs in Kalifornien auf, studierte in Berkeley und an der Folkwang-Hochschule in Essen bei Otto Steinert. 1994 zog er nach Hongkong, wo er acht Jahre als Vertragsfotograf für das Stern-Magazin arbeitete. Die Tradition sozial engagierter Dokumentarfotografie spürt man auch in seinen späteren Arbeiten als autonomer visueller Künstler. Michael Wolfs Werke wurden unter anderem auf der Venedig Biennale für Architektur ausgestellt und sind in zahlreichen Museumssammlungen vertreten, darunter im Museum Folkwang in Essen, im Rijksmuseum in Amsterdam, im Metropolitan Museum of Art in New York und im Museum of Contemporary Photography in Chicago.

 

Offizielles Statement zum Tod von Michael Wolf:

 

Der Fotograf und Künstler Michael Wolf ist im Alter von 64 Jahren gestorben.

Michael Wolf, der deutsche Fotograf und Künstler, der für sein Werk über das Leben in Großstädten international renommiert war, ist im Alter von 64 Jahren in Cheung Chau, Hongkong, gestorben.

Geboren in München, aufgewachsen in Kanada, Europa und den Vereinigten Staaten, studiere Michael Wolf an der UC Berkeley und bei Otto Steinert an der Folkwangschule in Essen. 1994 zog er nach Hongkong, wo er acht Jahre beim Magazin Stern unter Vertrag stand, bevor er 2003 den Fotojournalismus aufgab, um eigene Projekte zu verfolgen. Mit der Zeit schuf er ein umfangreiches Werk, das die komplexe Wirklichkeit urbanen Lebens in der Welt erforscht.

International bekannt wurde Michael Wolf mit seinen Arbeiten über Hongkong, eine der dichtbesiedeltsten Städte der Welt. In seinen beiden über Jahre laufenden Fotoserien Architecture of Density (2003–14) und Informal Solutions (2003–2019) entwickelte er einen mehrschichtigen Ansatz, um die Dynamik dieser Megastadt besser zu erfassen, indem er einerseits ihre überwältigende Architektur, andererseits das Innenleben der Stadt, besonders die in den Hintergassen lebendige Alltagskultur, zu ergründen suchte.   

Zwar blieb Hongkong eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen, aber im letzten Jahrzehnt seines Lebens verbrachte Michael Wolf ebenso viel Zeit in Europa wie in Asien. Er fotografierte andere Großstädte der Welt und schuf einen globalen Überblick über das immer aufreibendere heutige Stadtleben. Von Chicago, wo er Transparent City (2006) aufnahm, über Tokio, wo er in Tokyo Compression die Klaustrophobie der U-Bahn-Pendler einfing, bis Paris, wo er unter Rückgriff auf Google Street View die Serie Paris Rooftops schoß, war Wolf von der Vielfalt städtischen Lebens fasziniert. 

In den letzten Jahren hatte Michael Wolf zunehmend mit Installationen experimentiert. In der eindrücklichen Installation The Real Toy Story sind Porträts von Arbeitern aus chinesischen Spielzeugfabriken in ein Wandbild aus Tausenden von Plastikspielzeugen aller Art eingebaut. In Ausstellungen seiner Informal Solutions stellte er neben Fotos von Hongkongs Hintergassen die Dinge aus, die er dort gefunden und gesammelt hat.

Auch das Fotobuch spielte eine große Rolle im Werk von Michael Wolf. Seit seiner ersten Monographie Sitting in China (2002) hatte er mit einigen der bedeutenden Kunstverleger wie Steidl und Thames & Hudson zusammengearbeitet. In den letzten zehn Jahren hatte er eine Arbeitsfreundschaft mit dem Berliner Verleger Hannes Wanderer (1958–2018) aufgebaut und in dessen Verlag Peperoni Books zwischen 2009 und 2018 siebzehn Bücher veröffentlicht, darunter von der internationalen Kritik hochgelobte Titel wie Tokyo Compression und Architecture of Density. 

2005 und 2010 gewann Michael Wolf im Wettbewerb World Press Photo den ersten Preis und 2011 wurde er mit einer ‚erhrenvollen Erwähnung‘ (‚honourable mention‘) ausgezeichnet. 2010 und 2016 war er für den Prix Pictet Photography nominiert.

Sein Werk ist in vielen Museen vertreten, darunter dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Museum of Contemporary Photography in Chicago, dem Museum Folkwang Essen, dem Rijksmuseum Amsterdam und dem Gemeentemuseum Den Haag.

Seine erste größere Retrospektive, Michael Wolf – Life in Cities, wurde 2017 im Rahmen der renommierten Kulturtage Rencontres de la Photographie in Arles eröffnet, reiste weiter zu The Hague Museum of Photography (20. Januar–22. April 2018), zur Fondazione Stelline in Mailand (10. Mai–22 Juli 2018) und zu den Deichtorhallen Hamburg (17. November 2018–3. März 2019).

Michael Wolfs Arbeiten über das Leben in Städten waren stets von Empathie mit den Menschen, die darin leben, und Sorge um die Folgen der massiven Urbanisierung für die heutige Zivilisation erfüllt. Dieses Engagement blieb zentral für das Werk Michael Wolfs, anfangs als Fotojournalist und später als Künstler.

Michael Wolf hinterläßt seine Frau Barbara und seinen Sohn Jasper