Prof. Dr. Klaus Töpfer
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Zukunftsperspektiven der Reform-Agenda des VN-Generalsekretärs Antonio Guterres

Politik, Wirtschaft und Gesellschaft - Vortrag, Podiumsdiskussion
C
Do, 18.1.2018, 19:30 Uhr
18.01.2018 - 19:30
Prof. Dr. Klaus Töpfer

Beschreibung

Klaus Töpfer hat an der Erarbeitung der Reform-Agenda aktiv mitgewirkt. Er kann einen lebendigen Eindruck in die augenblicklichen Reformbemühungen unter der Führung der Vereinten Nationen vermitteln. Der Vortrag ist für alle wichtig, die sich für eine Reform der Vereinten Nationen interessieren, wie sie von allen Seiten gefordert wird. Dem Vortrag von Klaus Töpfer schließt sich eine Plenumsdiskussion an, moderiert von Frau Dr. Kerstin Leitner, ehem. Beigeordnete Generaldirektorin der World Health Organization (WHO).

Prof. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Generaldirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP)

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.

Zur Reform der Vereinten Nationen
15. Die Vereinten Nationen können bei der Friedenssicherung, der Mehrung des menschlichen Wohls und der Förderung der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit auf beachtliche Erfolge zurückblicken. Die Organisation entstand jedoch zu einem ganz besonderen Zeitpunkt der Geschichte. Während ihre Wesensgrundsätze zeitlos gültig sind, sind ihre eingespielten Strukturen und Verfahren den derzeitigen Herausforderungen nicht mehr recht gewachsen. Die Welt braucht wirksamere, agilere und rechenschaftspflichtigere Vereinte Nationen, um die Krisen des 21. Jahrhunderts zu meistern. 16. Meine Analyse der Welt, in der wir leben, zeigt, dass wir den miteinander verflochtenen globalen Risiken auf eine weniger fragmentierte und reaktive Weise begegnen müssen. Wenn die Vereinten Nationen weiter relevant und verlässlich sein sollen, müssen wir energisch proaktive Reformen umsetzen, die durch das Ziel motiviert sind, bessere Ergebnisse für die am stärksten betroffenen Menschen zu erzielen. 17. Eines unserer Hauptziele bei der Steuerung der Reformagenda muss ein wirksameres Engagement für Prävention sein. Zu lange schon treten wir Bedrohungen des Friedens und der Sicherheit reaktiv und zu langsam entgegen und lassen damit zu, dass Krisen sich so verschlimmern, dass wirksames Handeln erschwert wird. Dabei wissen wir, dass die Verhütung von Krisen weitaus weniger kostet und effektiver ist als die Reaktion darauf. Wir wissen, dass Naturkatastrophen in jahrelanger Arbeit erzielte Entwicklungsfortschritte in Sekundenschnelle zunichtemachen können. Und wir wissen aus schmerzlicher Erfahrung, dass Kriege Gesellschaften zerstören und lang anhaltende Krisen Menschen über Generationen hinweg dauerhaft schwächen. So kann es nicht weitergehen. 18. Ich habe die Forderung nach einer Verlagerung von einem eher reaktiven Vorgehensmuster zu einem robusteren Präventionsansatz erhoben. Prävention bedeutet, im Rahmen eines breiten Engagementund Aktionsspektrums unser Möglichstes zu tun, um Ländern den Ausbruch oder die Verschlimmerung
von Krisen, die zu massivem menschlichem Leid führen, abwenden zu helfen. Prävention ist der rote Faden, der sich durch das Flechtwerk meiner Reformbemühungen zieht. Sowohl die Agenda 2030 als auch die Resolutionen zum Thema der Aufrechterhaltung des Friedens (Resolution 70/262 der Generalversammlung und Resolution 2282 (2016) des Sicherheitsrats) zeigen, wie stark die Unterstützung für einen ganzheitlichen Präventionsansatz ist; die beste Prävention ist eine nachhaltige und alle einschließende Entwicklung. Beide Ansätze ergänzen sich, doch bildet die Agenda 2030 auch weiterhin die Hauptarchitektur, innerhalb deren die Resolutionen zur Aufrechterhaltung des Friedens einen soliden Rahmen vorgeben, der es den Vereinten Nationen ermöglicht, sich auf die Unterstützung der Planung und Verwirklichung spezifischer Aspekte der Ziele
für nachhaltige Entwicklung, soweit sie sich auf den Frieden beziehen, zu konzentrieren. 19. Ich habe mehrere Reformprozesse in Gang gesetzt, die alle dem Zweck dienen, das Vorgehen der Organisation als Ausdruck eines umfassenderen Verständnisses der größten Risiken, mit denen die Welt konfrontiert ist, stärker zu integrieren und kohärenter zu machen und auf eine sicherere Finanzierungsgrundlage zu stellen. Die Reformen
werden zu größerer Führungsstärke und erhöhter Rechenschaftspflicht beitragen und viele der umständlichen Verwaltungsvorschriften beseitigen, die ein rasches und agiles Handeln in Krisensituationen erschweren. Sie werden für mehr und stärkere Partnerschaften sorgen, die wir benötigen, um signifikante Änderungen vor Ort zu bewirken. Nicht zuletzt bin ich fest entschlossen, in der gesamten Organisation die Geschlechterparität und eine größere geografische Vielfalt sicherzustellen, damit die Völker der Welt besser vertreten sind und wir ihnen besser dienen können. 20. Die Verantwortung für die Verhütung menschlichen Leids und die Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung liegt bei den Mitgliedstaaten, doch kommt den Vereinten Nationen eine unverzichtbare unterstützende Rolle zu. Durch meine
Reformagenda werden die Vereinten Nationen den Mitgliedstaaten ein besserer Partner bei der Erfüllung ihrer Aufgaben sein. 21. Während ich diese Bilanz der ersten Monate meiner Amtszeit ziehe, bin ich vor allem von dem guten Willen und den kreativen Ideen von Menschen auf der ganzen Welt inspiriert. Wir müssen diese Kräfte zugunsten des globalen Gemeinwohls nutzen. Ich freue mich darauf, mit Mitgliedstaaten und
Interessenträgern in aller Welt zusammenzuarbeiten, um eine stärkere und wirksamere Organisation der Vereinten Nationen aufzubauen, die ihrem Auftrag für die heutigen und die kommenden Generationen
gerecht werden kann. 

Quelle: Bericht des Generalsekretärs über die Tätigkeit der Vereinten Nationen, New York, 2017, www.un.org/depts/german/gs/a-72-1.pdf

 

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